Unser Konzept

Waldorf als Grundlage

Die Waldorfpädagogik möchte eine menschengemäße Pädagogik gestalten, die nicht zum Ziel hat, Kinder an jeweils aktuelle gesellschaftliche Anforderungen anzupassen, sondern sie zu befähigen, ihren eigenen Beitrag zur Weiterentwicklung oder Umgestaltung der Gesellschaft zu finden und zu leben.

Der österreichische Schriftsteller Rudolf Steiner begründete diese Pädagogik 1919 auf der Grundlage eines Menschenbildes, das den Menschen als einen Werdenden, sich Entwickelnden begreift, und zwar über die Grenzen von Leben und Tod hinaus.

Obwohl jedes Kind individuell ist, so folgt die Entwicklung des Kindes doch bestimmten Gesetzmäßigkeiten, die es überhaupt erst ermöglichen, Kinder gemeinsam in Klassen zu unterrichten. Themen und Lehrinhalte dienen dabei als Mittel, die altersgemäße Entwicklung voranzubringen.

Der Klassenlehrer oder die Klassenlehrerin begleitet die Kinder dabei über die ersten 8 Schuljahre. Bei uns beobachtet und entscheidet er/sie gemeinsam mit dem Kollegium, welche Schwerpunkte für die jeweilige Klasse sinnvoll sind.

Dabei fällt die Waldorfpädagogik nicht aus der Zeit, in der wir leben. Wir wollen den Kindern alle Schulabschlüsse ermöglichen, die sie für ihren weiteren Weg benötigen. Die entsprechenden Voraussetzungen werden von den Lehrkräften im Blick behalten und im Austausch mit den Eltern begleitet.


Inklusion spielt dabei eine wichtige Rolle an unserer Schule. Doch während sie auf den Boden einer großen Selbstverständlichkeit fällt, bleibt sie eine große Herausforderung.

Denn bei der Inklusion geht es nicht um spezielle Kinder, die „besonders gefördert“ werden, sondern um den Anspruch, jedes Kind zu sehen, wie es ist und ihm in seiner Wesenheit gerecht zu werden.

Dies zu ermöglichen, ist eine Aufgabe, eine Haltung und zugleich eine Befähigung aller daran Beteiligten, die ständig im Wachsen ist, wenn man sich ihr stellen möchte.

Es braucht daher das unbedingte Interesse an der Zusammenarbeit aller Beteiligten, Lösungen im Sinne aller Beteiligten zu gestalten. Immer wieder neu. Immer in Entwicklung.

Inklusion ist kein Zustand, sondern eine Bewegung aller.

„Das Kind in Ehrfurcht empfangen,
in Liebe erzogen,
in Freiheit entlassen.“

R. Steiner

Handlungspädagogik – ein Zusatz?

Handlungspädagogik stellt für uns keine zusätzliche „Methode“ dar, sondern eine grundsätzliche Art, Unterricht im Einklang mit den Prinzipien der Waldorfpädagogik zu gestalten. Sie geht davon aus, dass Lernen nicht in erster Linie durch Erklärung geschieht, sondern durch Tätigkeit. Erkenntnis entsteht aus Erfahrung, aus dem eigenen Tun und der bewussten Auseinandersetzung mit dem, was erlebt wird.

Diese Haltung entspricht für uns genau dem menschenkundlichen Ansatz der Waldorfpädagogik, wie Rudolf Steiner ihn formuliert hat: Lernen vollzieht sich nicht allein über den Verstand. Vielmehr sind es das Tätigsein, das konkrete Erleben und das Gestalten, durch die Denken, Fühlen und Wollen miteinander in Beziehung kommen. Unterricht soll den ganzen Menschen ansprechen und nicht einseitig kognitiv bleiben. Denn das, was Kinder handelnd/praktisch/künstlerisch erfahren, wirkt tiefer und nachhaltiger, als es reine Wissensvermittlung vermag. Auf diese Weise entstehen lebendige Begriffe, die ein Leben lang flexibel statt tot und unbeweglich bleiben.

Deshalb reduzieren wir den Unterricht nicht auf das Vermitteln fester Inhalte und starrer Definitionen. Wir legen Lernprozesse so an, dass Kinder sich aktiv mit der Welt verbinden können. Das praktische Tun ist dabei kein vorbereitender oder auflockernder Teil des Unterrichts, sondern ein gleichwertiger Weg zur Erkenntnis.

Zentral ist für uns der Zusammenhang von Wahrnehmen, Tätigsein und Reflektieren. So werden Erfahrungen aus der künstlerisch-praktischen Arbeit auch im Epochenunterricht aufgegriffen und weitergeführt.

Damit dies gut gelingt, arbeiten Klassen- und Fachlehrer*innen epochenweise eng zusammen. Auf diese Weise wird eine Epoche durch ganz verschiedene Zugänge als innerer Zusammenhang erfahrbar. So, wie auch die Welt ein kompletter Zusammenhang ist und nicht in einzelne Schulfächer gesplittet wird, deren Wissen man sich aneignen muss, damit es abgeprüft werden kann.

Diese Form des Unterrichts verlangt Aufmerksamkeit, Abstimmung und Präsenz. Sie ist nicht beliebig, sondern bewusst gestaltet. Die Herausforderung besteht darin, praktische Tätigkeiten nicht als Zusatzaufgabe zum Unterricht zu verstehen, sondern gleichzeitig als Entlastung und Vertiefung. Denn Lernanlässe ergeben sich bei diesem Konzept ganz natürlich aus der Arbeit selbst und müssen nicht erst künstlich erzeugt werden.

Handlungspädagogik bedeutet in diesem Sinne auch, Vertrauen in die Entwicklung der Kinder zu haben. Nicht alles muss sofort erklärt oder abgesichert werden. Vieles darf sich im Tun vorbereiten und später im Unterricht bewusst werden – vielleicht manchmal auch erst Jahre später. Lernen wird so zu einem Prozess, der Zeit, Wiederholung und innere Bewegung zulässt.

Wir dürfen Geduld mit uns und den werdenden Menschen um uns herum haben, damit diese gesund heranwachsen und ein glückliches, selbstbestimmtes Leben führen können.

Wir haben genug Zeit.

Küche und gemeinsame Mahlzeiten

Wir sehen uns von Grund her einem erweiterten Bildungsverständnis verpflichtet. Dies betrifft nicht nur das fachliche Lernen, sondern übergeordnet auch das Erleben mit allen Sinnen, damit sich gesunde, wissbegierige und selbstbewusste Kinder herausbilden können.

In diesem Zusammenhang stellt auch die Ernährung einen wichtigen Aspekt zur Erfüllung dieses Auftrages dar. Wir sind davon überzeugt, dass vollwertige Nahrung eine Voraussetzung für die gesunde Entwicklung der uns anvertrauten Kinder ist und zugleich die Basis für ein gutes Lernen schafft.

Und im Ernstnehmen dieses Anliegens ergeben sich vor Ort viele Möglichkeiten für ein Lernen, das Sinnzusammenhänge aufzeigt, sodass Essen mehr ist als bloße Nahrungsaufnahme.

So nehmen der Gärtnerhof, die Küche und die dort stattfindenden Tätigkeiten neben dem gemeinsamen Essen eine zentrale Stellung in unserer Schule ein.

Die auf dem Hof geernteten Lebensmittel werden in unserer Küche weiterverarbeitet und für das gemeinsame Essen zubereitet. Darüber hinaus werden biologische und möglichst frische, unverarbeitete Lebensmittel regional und saisonal hinzugekauft. (Selbstverständlich nehmen wir dabei Rücksicht auf gesundheitlich begründete Bedürfnisse einzelner Kinder hinsichtlich Allergien.)

In der Küche und in den Klassenräumen können die Kinder den gesamten Prozess sowohl wahrnehmen, als auch unter fachkundiger Begleitung mitgestalten. Auf diese Weise können sie neben vielen praktischen Fähigkeiten ihre Selbstwirksamkeit entwickeln und auf der anderen Seite altersentsprechend alle sozialen, ökologischen, politischen und ökonomischen Zusammenhänge rund um das Thema Nahrung erleben.

Das Essen im Klassenverband ist gleichzeitig ein Lernfeld für soziale Interaktion und stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Dabei ist das Mitbringen von eigenem Essen grundsätzlich unerwünscht.

Voraussetzung, dass dieser Weg funktioniert und wirksam wird, ist die Bejahung der Eltern, Mitgestaltung sowie regelmäßige Information und Kommunikation.